Vom Mythos des schädlichen Sparens

Der Mythos vom schädlichen Sparen oder auch das Sparparadoxon genannt: Gemäss der Aussage von Schweizer Grossbanken haben die Haushalte in den letzten 2 Monaten durchschnittlich CHF 2000.- mehr auf dem Konto. Was hat dies aber für Auswirkungen auf die Wirtschaft? Fehlt das Geld, was auf der einen Seite gespart wird auf der anderen Seite im Handel etc.? Hast du während dem Lockdown aktiv gespart und wo hast du weniger Geld ausgegeben. Schreibe dies bitte im Kommentar.

Vom Mythos des schädlichen Sparens

Während des Lockdowns haben wir locker gespart, mutmassten wir letzthin. Eine Schweizer Grossbank drückt den erzwungenen Konsumverzicht nun noch in Zahlen aus. Danach hat jeder Haushalt in der Schweiz innert zwei Monaten durchschnittlich 2000 Franken mehr auf dem Konto gehabt.

Ob der Anstieg der freiwilligen Sparquote von 13% auf 22% des Haushalteinkommens vorübergehender oder nachhaltiger Natur ist, wissen wir noch nicht. Sollten rasch weitere Lockerungen des Ausnahmezustands folgen und die Corona-Fallzahlen tief bleiben, werden wir bis zu zwei Drittel unserer Lockdown-Ersparnisse wieder ausgeben, rechnen die Ökonomen.

 

Sparparadox als Paradox

Was wir auf die hohe Kante legen, fehlt zwangsläufig dem Handel in Form von Einnahmen aus unseren Käufen und Anschaffungen. Es fehlt in der Folge aber auch den Produzenten, Zulieferern und Verarbeitern, die für den Handel weniger Güter herstellen und liefern können. In der Konsequenz könnten die betroffenen Firmen zu Lohnkürzungen, Stellenabbau oder Betriebsschliessungen gezwungen sein. Und wer weniger Lohn bekommt oder Arbeitslosengeld bezieht, kann letztlich weniger sparen. Sollten wir also doch besser fleissig konsumieren, als fleissig sparen?

Ein Blick auf unsere Konsumausgaben relativiert diesen Mechanismus, im Fachjargon Sparparadoxon genannt. Nicht in Kleider- oder Schuhläden, Heimelektronik-Shops, Möbelhäusern, bei Konzertveranstaltern, dem Lebensmittelhandel oder in Restaurants lassen wir das meiste Geld liegen. Den weitaus grösseren Anteil, nämlich über 60%, machen die Miete, Krankenkassenprämien und die Kosten für die Verkehrsmittel aus, die wir berufsbedingt benutzen. Hier ist ein Konsumverzicht kaum möglich. Ebenfalls zu bedenken ist, dass das Gros von uns weder in der verarbeitenden Industrie noch im Handel tätig ist, sondern im übrigen Dienstleistungssektor.

 

Mehr aus den Sparbatzen machen

Freiwilliges Sparen darum pauschal als wirtschaftsschädigend und damit uns selbst schadend zu taxieren, stimmt also nur bedingt. Zumal wir ja das Gesparte früher oder später wieder in den Umlauf bringen, wenn wir damit die Weltreise, das Eigenheim oder eine sonstige grössere Anschaffung finanzieren. Und unseren Lebensabend dereinst aus eigenen Mitteln bestreiten zu können, unterstützt ebenfalls den Konsum und entlastet die öffentliche Hand. Und es ist ja auch kaum so, dass wir uns vor lauter sparen nichts mehr gönnen würden. Abgesehen davon hilft massvoller und überlegter Konsum nachweislich der Umwelt.

Wirklich schaden tun wir uns aber, wenn wir unsere Sparbatzen bei derart tiefen Zinsen einfach auf dem Konto liegen lassen und womöglich gar Negativzinsen zahlen. Ob in der Säule 3a oder im Rahmen der freien Vorsorge: Es ist es höchste Zeit, vom Konto- zum Wertschriftensparen zu wechseln, das auf lange Sicht erwiesenermassen höhere Erträge generiert. Was den wenigsten von uns bewusst ist: In der 1. und 2. Säule sind wir längst Wertschriftensparer. Wieso also nicht auch in der 3. Säule? Dass wir damit erst noch wertvolles Kapital für die Wirtschaft zur Verfügung stellen und die Umwelt fördern, erläutern wir im nächsten Beitrag.