Warum Thematisches Anlegen sinnvoll ist

Gastbeitrag von Dr. Henrique Schneider

Wer hat sich vor 20 Jahren das «iPhone» vorstellen können? Oder, dass heute weltweit etwa gleich viel Geld in die Entwicklung von Video-Games wie für die Pharma-Forschung fliesst? Wer hat sich im Jahr 2008 einen «Bitcoin» im Wert von über 50’000 Franken vorstellen können?

Die Antwort ist nicht «niemand», denn einige Leute haben sich das genau richtig erdacht und deshalb Produkte und Firmen lanciert. Und viele weitere haben sie darin unterstützt, indem sie ein Stück des Wegs mitgegangen sind und entsprechend investiert haben. Wie geht das? Mit thematischen Anlagen.

Der Schlüssel dazu ist, auf Megatrends zu setzen. Das sind mittel- bis langfristige Veränderungsprozesse in der Gesellschaft. Wer auf Megatrends setzt, spekuliert nicht darauf, das «richtige» Produkt zu finden. Stattdessen geht es um die Begleitung der gesellschaftlichen Veränderungsprozesse etwa mit Investitionen in Technologien und Geschäftsmodelle, die ein Stück des Veränderungsweges mitgehen. Das nennt sich auch «Thematisches Anlegen».

Natürlich braucht es auch Hirnschmalz, um die «richtige» Anlage zu finden. Deswegen wird dabei sehr systematisch vorgegangen. Folgende Gedanken dazu:

Megatrend, Themen, Anlagen

Schritt I: Üblicherweise wird zunächst ein Megatrend erkannt, zum Beispiel die immer stärker werdende Gewichtung der Gesundheit im Leben der Menschen. Dieser Megatrend hat eine langfristige Perspektive und ist breit angelegt. Er kann medizinische Versorgung, Bewegung, Essensgewohnheiten, Wohnen und vieles mehr umfassen. Diese Breite ist der Start, sie ist aber noch keine konkrete Anlage.

Schritt II: Also fokussiert der zweite Schritt auf ein Thema im Megatrend. Im Bereich der Gesundheit gibt es viele Themen, denn der Trend ist breit. Die Essensgewohnheiten sind beispielsweise ein Thema unter vielen. Wenn man sie auswählt, wird sie als Thema die Basis für die Auswahl von konkreten Anlagen.

Schritt III: Der dritte Schritt besteht darin, die spezifischen Investitionen auf der Grundlage des gewählten Themas zu finden. Um in diesem Beispiel zu verbleiben: Aktien von lebensmittelverarbeitenden Unternehmen, Mikrokredite an vegan-Bauern, Private-Equity-Beteiligungen an Smartfood-Biotechunternehmen können solche Anlagen sein.

Am Veränderungsprozess beteiligt

Welche Anlagen man nun dann tätigt, ist eine Frage des bevorzugten Anlagestils, des Zeithorizonts und des Risikobudgets. Auf jeden Fall gehören alle so ausgewählten möglichen Anlagen zum gleichen Thema. Und weil sie so zum Megatrend gehören, sind diese Anlagen am gesellschaftlichen Veränderungsprozess beteiligt.

Diese Beteiligung hat zwei Komponenten: Erstens wächst der Wert der Anlagen mit dem Fortschreiten des Veränderungsprozesses. Zweitens wird man selbst zum Treiber dieses Prozesses – «change agent» nennt man das. Damit tut man etwas für das eigene Portfolio aber auch für die Gesellschaft als Ganzes.

Henrique Schneider, Chefökonom des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Mai 2021

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