Finanzielle Gleichstellung in der Familie vereinbaren

Vor einem Vierteljahrhundert unterzeichneten an der 4. Weltfrauenkonferenz in Peking 189 UN-Mitgliedstaaten das bis heute umfassendste Konzept zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und der Stärkung von Frauen und Mädchen. Daran wurde im Rahmen der 75. UN-Vollversammlung Ende September 2020 in New York mit einer hochrangigen Konferenz erinnert, die sich mit Massnahmen für eine beschleunigte Verwirklichung der Forderungen beschäftigte. Mit den UN-Nachhaltigkeitszielen hat sich die Staatengemeinschaft verpflichtet, bis 2030 alle Formen der Diskriminierung von Frauen zu beseitigen.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel meinte dazu, dass 25 Jahre nach der der Pekinger Erklärung Gleichstellung eine Selbstverständlichkeit sein sollte, man aber in Realität noch weit davon entfernt sei. UN-Generalsekretär António Guterres befürchtet gar, dass die Corona-Pandemie die Fortschritte gefährde. Und dies, wo sich gerade jetzt zeige, dass sich Frauen als Stütze der Gesellschaften erwiesen, sei es in Krankenhäusern, Supermärkten oder beim Home-Schooling. Einerseits sei ohne Frauen kein Staat zu machen, anderseits seien sie an wesentlichen Entscheidungen nicht gleichberechtigt beteiligt, stellte Merkel fest und forderte Parität in allen Bereichen, in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Das sei Aufgabe von Frauen und Männern.

 

In der Familie ist Gleichstellung Verhandlungssache

Natürlich kannst du für Gleichstellung auf die Strasse gehen. Das ist öffentlichkeitswirksam und mag die eine oder den anderen zum Nachdenken darüber anregen, die dafür noch nicht so sensibilisiert waren. Doch Gleichstellung passiert nicht einfach. Nachhaltig und ganzheitlich verändern wird sich die Situation erst, wenn sich jede und jeder von uns dementsprechend verhält. Denn verfassungsrechtlich ist die Gleichstellung auf unseren Breitengraden längst verankert, auch wenn sie noch nicht in allen Gesetzen Niederschlag gefunden hat.

Gleichstellung beginnt im Kleinen. Wenn es weiterhin die Frauen sind, die das Gros der Familien-, Betreuungs- und Hausarbeit tragen, reduziert das ihre Möglichkeiten, am Erwerbsleben teilzuhaben. Das benachteiligt sie beim Vermögensaufbau und in der Vorsorge. Um das zu ändern, müssen die Frauen und Männer vereinbaren, entweder die unbezahlte Arbeit gleichmässiger unter sich aufteilen oder Massnahmen treffen, die die finanzielle Benachteiligung ausgleichen.

 

3a-Wertpapiersparen ist attraktiver als der Einkauf in die Pensionskasse

Sind Mütter berufstätig, arbeiten sie in der Regel Teilzeit. Reicht das Erwerbseinkommen für einen Anschluss an die Pensionskasse ihres Arbeitgebers, kann beispielsweise der Ausgleich dadurch erfolgen, dass der Partner einen Teil des möglichen Einkaufs in die Pensionskasse übernimmt. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass die so geleisteten Beiträge nicht vollumfänglich vom Anlageerfolg profitieren. Denn in vielen Fällen verzinsen die Pensionskassen des Arbeitgebers das Vorsorgeguthaben nur mit gesetzlich definierten Mindestzinssatz von aktuell 1%. Wenn der Bundesrat der Empfehlung der BVG-Kommission des Parlaments folgt, wird die Mindestverzinsung 2021 auf 0.75% sinken.

Alternativ empfiehlt sich das Wertpapiersparen in der Säule 3a. Hier partizipieren die Vorsorgeguthaben vollumfänglich am Anlageerfolg. Ausserdem entscheiden die Sparerinnen und Sparer selbst, wie das Geld angelegt wird. Bei Sparbatze können sie beispielsweise auch ins Anlagethema Gleichstellung investieren. Paare können vereinbaren, dass der Mann im Sinne des Vorsorgeausgleichs die Einzahlungen der Frau in die Säule 3a übernimmt. Das setzt allerdings die Berufstätigkeit der Frau voraus. Aktuell beträgt der maximale Beitrag 6826 Franken. Für 2021 hat ihn der Bundesrat auf 6883 Franken festgelegt.