Erich Ettlin: «Negativzinsen auf den Cash Konten der Säule 3a wären fatal.»

«Motion Ettlin» – Fragen von Sparbatze an Erich Ettlin. Erich Ettlin ist ein Schweizer Politiker und seit 2015 Ständerat des Kantons Obwalden. Er ist zudem Mitarbeiter der BDO AG und dort seit 2010 Partner und Mitglied der Geschäftsleitung.

Herr Ettlin, die von Ihnen eingereichte Motion «Einkauf in die Säule 3a ermöglichen» wurde im Sommer 2020 vom Parlament angenommen. Damit soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass man fünf Jahre rückwirkend Einzahlungen in die 3. Säule machen kann, für Lücken, welche in dieser Zeit entstanden sind. Der Bundesrat soll nun die Abänderung des Gesetzesartikels ausarbeiten.

Was hat Sie persönlich zu dieser Motion veranlasst?

Mein privates Umfeld hat mich dazu bewogen, die Motion zu starten. Die Berufswege der Menschen verlaufen immer häufiger nicht linear. Speziell Frauen und Teilzeitangestellte, welche in der Vergangenheit aus verschiedenen Gründen nicht immer 100% gearbeitet haben, stellen später fest, dass sie nicht die gleichen Einzahlungen machen konnten wie jemand, welcher immer 100% gearbeitet hat. Diese Menschen sollen die Möglichkeit erhalten, rückwirkend in die private Vorsorge einzuzahlen und von der staatlichen Förderung der privaten Vorsorge Säule 3a in Form einer steuerlichen Begünstigung profitieren zu können.

Was erhoffen Sie sich von den neuen Rahmenbedingungen?

Das wichtigste Ziel ist die Stärkung der privaten Vorsorge Säule 3a im Sinne von allen.

Soweit zu den Chancen, sehen Sie auch Risiken oder Mankos?

Ich sehe grundsätzlich keine Risiken, da eine nachträgliche Einzahlung in die Säule 3a nur alle fünf Jahre möglich sein soll und auf einen fixen Betrag limitiert ist. Der Mittelstand soll gestärkt werden.

Was halten Sie von der Idee, dass sich der Arbeitgeber an den Einzahlungen in die 3. Säule beteiligt, analog zur 2. Säule resp. zur Pensionskasse?

Da bin ich eher kritisch. Die 2. Säule sollte nicht durch die 3. Säule konkurrenziert und eventuell geschwächt werden.

Denken Sie, dass aufgrund des tiefen Zinsumfeldes bald mit Negativzinsen auf den Säule 3a Cash Konten zu rechnen ist?

Ich hoffe nicht, denn Negativzinsen auf den Cash Konten der Säule 3a wären fatal! Das Geld ist ja grundsätzlich gebunden und kann nur unter bestimmten Voraussetzungen vorzeitig bezogen werden. Die Signalwirkung an die Säule 3a Sparer wäre ganz schlecht.

Macht aus Ihrer Sicht eine Wertschriftenlösung im Bereich Säule 3a langfristig Sinn?

Eine Wertschriftenlösung ist gut und macht langfristig Sinn. Risiken sehe ich eher bei einem kurzfristigen Anlagehorizont von ein paar wenigen Jahren.

Was halten Sie davon, wenn innerhalb der Säule 3a die Möglichkeit besteht, neben Wertschriften auch z.B. in Bitcoin investieren zu dürfen?

Aufgrund der hohen Wertschwankung muss man ein Investment in Bitcoin eher als spekulativ bezeichnen. Aus diesem Grund wäre ich da eher zurückhaltend, da die Säule 3a ja vom Staat gefördert wird und nicht spekulativ sein sollte.

Wann rechnen Sie zeitlich mit der Gesetzesverordnung des Bundesrates?

Ich hoffe, dass das neue Gesetz am 1.1.2023 in Kraft treten kann. Vielleicht wird jedoch noch das Referendum ergriffen, dann kann es länger dauern.

Sind noch weitere Gesetzesänderungen geplant, um die private Vorsorge resp. die Säule 3a zu stärken?

Mir sind keine weiteren Gesetzesänderungen in diese Richtung bekannt.

Herr Ettlin, herzlichen Dank für das Interview!

Zeitpunkt des Interviews: Anfang Juli 2021

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