Gesellschaftsbild

Die drei grössten Fehler im Vorsorgesystem (2) – Ein einseitiges Gesellschaftsbild als Basis

Wir leben in einer Zeit, die sich durch einen bunten Strauss an Lebensentwürfen auszeichnet. Ob du nun Single bist, in einem Konkubinat lebst, eine Fernbeziehung führst, alleinerziehend bist, in eingetragener Partnerschaft oder in einer Patchwork-Familie lebst. Die traditionelle Familie mit dem Vater als Haupternährer und der Mutter, die sich ausschliesslich um Kinder und Haushalt kümmert, ist vor diesem Hintergrund schon fast zur Ausnahmeerscheinung geworden.

Steigende Beteiligung von Müttern am Arbeitsmarkt

Dabei waren noch in den 1980er-Jahren drei Viertel aller Mütter, die in einer Paarbeziehung mit mindestens einem Kind lebten, nicht berufstätig. Heute dagegen kehren 80 Prozent der Frauen innerhalb eines Jahres nach der Geburt des ersten Kindes ins Erwerbsleben zurück. Die Mehrheit allerdings in einem Teilzeitpensum, da sie auch heute noch den grösseren Anteil der Betreuungs- und Hausarbeit übernehmen.

So gross die Vielfalt an Lebensentwürfen ist, so einseitig ist das Gesellschaftsbild, das unserem Vorsorgesystem zugrunde liegt. Maximale Leistungen erzielt nämlich nur, wer zwischen Erreichen der Volljährigkeit und Pensionierung ununterbrochen Vollzeit erwerbstätig ist und im Durchschnitt ein Jahreseinkommen von über 86 040 Franken erzielt. Das hat damit zu tun, dass es in der Zeit, als die AHV eingeführt wurde, nur das traditionelle Familienbild gab. Frauen, die einer Erwerbstätigkeit nachgingen, waren damals selten. Noch bis in die 1980er-Jahre brauchte eine Frau die stillschweigende oder ausdrückliche Zustimmung ihres Ehemanns, wenn sie einer bezahlten Arbeit nachgehen wollte. So gesehen hat sich unsere Gesellschaft in den letzten drei Jahrzehnten drastisch gewandelt.

Unser Vorsorgesystem wird den heutigen Lebensentwürfen nicht gerecht

Nicht so die Gesetzgebung. Trotz einiger Revisionen wird sie dem heutigen Gesellschaftsbild nicht gerecht. Jegliches Abweichen von der geltenden Norm zeitigt deshalb empfindliche finanzielle Konsequenzen. Steigst du also vorübergehend oder länger aus dem Erwerbsleben aus – ob nun für einen Auslandaufenthalt, eine Weiterbildung oder um dich um Kinder oder Angehörige zu kümmern –, führt dies zwangsläufig zu einem Baustopp in AHV, der beruflichen Vorsorge und der Säule 3a. Einbussen resultieren ebenso, wenn du zwar ohne Unterbrüche berufstätig warst, aber über kürzere oder längere Phasen mit einem reduzierten Pensum arbeitest oder weniger als 86 040 Franken verdienst. Spürbar wird dies allerdings erst, wenn du pensioniert wirst. Das trifft auf Frauen wie auf Männer gleichermassen zu. Aber Frauen weisen in ihren Erwerbsbiografien tendenziell mehr Brüche auf als Männer. Darum fallen ihre Renten auch deutlich tiefer aus, als diejenigen der Männer.

Vorsorgelücken schliessen

So kannst du allfällige Vorsorgelücken in der 1. und 2. Säule teilweise oder vollständig ausgleichen:

• Regelmässig in die Säule 3a einzahlen, solange du erwerbstätig bist. Einzahlungen bis zum Maximalbeitrag von aktuell 6’883 Franken pro Jahr kannst du unabhängig von deinem Arbeitspensum und Einkommen leisten. Dafür wählst du vorzugsweise das Wertschriftensparen, da im aktuellen Umfeld beim Kontosparen kaum Zinserträge resultieren.
• Wenn es dein Einkommen oder das Familienbudget zulässt, sparst du idealerweise zusätzlich im Rahmen der freien Vorsorge (Säule 3b). Auch hier schneidet das Wertschriftensparen besser ab, als das reine Kontosparen. Der grosse Vorteil: Den Sparprozess kannst du fortsetzen, auch wenn du keiner bezahlten Arbeit nachgehst.
• Ein Arbeitspensum wählen, dass einen Anschluss an eine Pensionskasse ermöglicht. Dazu muss ein Einkommen mindestens 21 150 Franken betragen (BVG-Eintrittsschwelle).