Werner Rutsch Gastbeitrag

Aktiensparen in der Schweiz – warum es keine Ausreden dagegen gibt | Gastbeitrag Dr. Werner E. Rutsch

Bald sind es fast zwanzig Jahre her, seit ein «visionärer» Financier das Aktiensparen in der Schweiz popularisieren wollte. Dennoch ist es auch besagtem Aktienguru nicht gelungen, in unserem Land eine Aktienkultur zu etablieren, wie sie etwa in den USA oder auch, wenn auch etwas weniger ausgeprägt, in England verbreitet ist. Es war übrigens eine Zeit, als es das Zinsniveau erlaubte, auch mit konservativen Anlagen über die Zeit dank dem Zinseszinseffekt durchaus Vermögen zu bilden – die Renditen der Bundesobligationen lagen noch um die drei Prozent.

Und wo stehen wir heute? Wenig weiter, obwohl umso mehr für Aktien spricht – Sparkonti und Obligationen werfen nichts mehr ab; Spesen und Kosten aller Art sind gestiegen. Gemäss einer jüngeren Studie von Moneyland besitzen nur 39% der Schweizer Aktien (direkt); in der Altersgruppe 19-25 sind es gar weniger als ein Drittel. Noch tiefer liegt gar der Durchschnittswert für die französischsprachige Schweiz.

Was sind die Gründe für diese Skepsis? Fehlt es etwa an den visionären Aktienpromotoren von damals? Vielleicht, zumal sie heute eher als in der Wolle gefärbte Immobiliengurus auftreten. Doch in die letzten zwanzig Jahren fallen auch zwei scharfe Börsenkorrekturen: das Platzen der Dot-Com Bubble 2001 und das annus horribilis 2008 im Zeichen der Subprime-Krise. Nicht wenige Aktienneulinge haben sich damals die Finger verbrannt, happige Verluste realisiert und sich für immer von dem Thema verabschiedet. Dazu kommt, dass die Schweizer Mentalität nicht für ihre Risikofreude bekannt ist; das wurde lange im Bereich der Start-Up Finanzierung beklagt, hat sich jüngst etwas verbessert, gilt jedoch bis heute.

Fazit: es gibt zwar Gründe, warum wir Aktienmuffel sind, aber keine rationale Erklärung, warum wir nicht in Aktien investieren sollten – heute und jetzt. Alle Statistiken über lange Zeiträume beweisen bekanntlich, dass diese Anlageklasse die besten Renditen erzielt, was ökonomisch fundiert erklärbar ist. Mit einer Anlage in Aktien trägt man unternehmerisches Risiko, profitiert aber auch von Produktivitäts- Bevölkerungs- und anderen Wachstumseffekten.

Wer argumentiert, er sei über seine Alterskapital in der beruflichen Vorsorge bereits Aktieninvestor hat zwar recht, doch sind Pensionskassen in der Regel nur mit etwa einem Drittel ihres Vermögens in Aktien investiert. Somit gilt im Bereich der individuellen Vorsorge, die immer mehr an Bedeutung gewinnt, nur ein Gebot: möglichst kostengünstig und soviel wie möglich in attraktive Aktien investieren.

Werner Rutsch
Head Institutional Business
AXA IM Schweiz

1. März 2021